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Das Shell-Haus gibt Einblicke in die Industriekultur

Streng und funktional wirkt das Shell-Haus in der Mundenheimer Straße. Das Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1926/1927 steht unter Denkmalschutz. (Bild: B. Ritter, Rhein-Neckar-Industriekultur.de)

Das Shell-Haus gibt Einblicke in die Industriekultur

Markantes Kulturdenkmal im Ludwigshafener Stadtteil Süd

Das Ludwigshafener Shell-Haus springt ins Auge. Das monumentale, rot geklinkerte Gebäude im Ludwigshafener Stadtteil Süd ist ein Paradebeispiel funktionaler Architektur. Nach dem Auszug der Wohnungsbaugesellschaft GAG steht das Shell-Haus ab Jahresende wieder leer. Seine künftige Nutzung ist derzeit noch offen.

Mit strenger Sachlichkeit prägt das Shell-Haus das Stadtbild in der Mundenheimer Straße. Zu den wenigen dekorativen Elementen gehören Reihen aus vorspringenden Ziegeln, die das Erdgeschoss wie Bänder umfassen. Der monumentale Kubus aus roten Backsteinklinkern repräsentiert einen funktionalen Baustil, der heute nur noch mit wenigen Beispielen erhalten ist. Seit 1993 steht das Shell-Haus daher unter Denkmalschutz.

Das 1926/1927errichtete Flachdachgebäude im Stadtteil Süd ist ein Beispiel expressionistischer Architektur. Durch seine ungewöhnliche Silhouette erinnert es an einen Schiffsbug. Denn der dreistöckige Baukörper erhöht sich stufenförmig zur Kreuzung der Mundenheimer- mit der Brahmsstraße hin. Ein kleines Geländer, das die obere Ecke des Daches ziert, ähnelt einer Reling.

Wechselnde Nutzer im Shell-Haus

Das Haus ist ein prägnantes Zeugnis der Industriekultur Ludwigshafens. Zudem ist es eng verbunden mit der Geschichte der Stadt als Standort der Chemie- und Energieindustrie. Die Rhenania-Ossag-Mineralölwerke, später Shell AG, ließen es als repräsentativen Verwaltungssitz errichten. Das Gebäude liegt etwa einen Kilometer vom Ludwigshafener Ölhafen entfernt, wo die Shell AG bis heute ein Großtanklager betreibt. Das Unternehmen nutzte das Shell-Haus bis in die 1970er-Jahre für die Verwaltung, dann zogen die Mitarbeiter in ein Gebäude in der Shell-Straße am Ölhafen um.

Im Anschluss daran kaufte die Landesbauverwaltung das Grundstück für das Finanzamt Ludwigshafen. Die Behörde residierte von 1981 bis 2015 im Gebäude. Nach der Zusammenlegung mit dem Finanzamt Frankenthal zog sie in die Bayernstraße um. Ab 2017 diente das Kulturdenkmal der Baugesellschaft GAG für die Zeit des Umbaus ihrer Unternehmenszentrale als Ausweichquartier. Nach Abschluss der Bauarbeiten ist das Unternehmen nun wieder ausgezogen und wird das Gebäude bis Ende 2018 endgültig räumen. Wie das Shell-Haus künftig genutzt wird, steht noch nicht fest. Derzeit prüft der Landesbetrieb Liegenschafts- und Bauverwaltung (LBB) eine Interims-Nutzung durch eine Landesbehörde.