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Fasnacht feiern – ein Erbe Babylons

Feiern und in eine andere Rolle schlüpfen – das ist seit Jahrtausenden der Kern der Fasnacht. (Bild: LUKOM/Torsten Kleb)

Fasnacht feiern – ein Erbe Babylons

Die fünfte Jahreszeit geht auf Jahrtausende alte Wurzeln zurück

Jahr für Jahr sind an Fasnacht die Narren los und stellen die Welt auf den Kopf. Auch in Ludwigshafen steuert die närrische Saison auf ihren Höhepunkt zu – dem großen gemeinsamen Fasnachtsumzug mit der Nachbarstadt Mannheim. Viele der Verkleideten in Feierlaune wissen allerdings nicht, dass sie damit einer Jahrtausende alten Tradition folgen.

Die Fasnacht in der Rhein-Neckar-Region läuft auf vollen Touren. Eine Prunksitzung jagt die nächste und an Altweiberfasnacht treffen sich Partyfans zum Feiern in der Friedrich-Ebert-Halle. Schon längst haben die Ludwigshafener Karnevalsvereine ihre Wagen und Fußgruppen für den Umzug in Mannheim gerüstet. Am Sonntag, 3. März, pilgern Verkleidete wieder mit Kind und Kegel über den Rhein nach Mannheim. Dort steigt in diesem Jahre der gemeinsame Umzug der Nachbarstädte, der sich stets im Wechsel „hiwwe“ oder „driwwe“ durch die Straßen schlängelt.

Menschen rund um den Globus feiern Fasnacht

Die 5. Jahreszeit begann in Ludwigshafen  schaurig-schön mit einem Dämmerumzug. (Bild: LUKOM/Torsten Kleb)

Wie in Ludwigshafen und Mannheim gehen zur fünften Jahreszeit an Fasnacht in ganz Deutschland die Narren auf die Straße. Legendär sind die Rosenmontagszüge in den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. Zur Mainzer Fasnacht pilgern ebenfalls alljährlich tausende Fans von außerhalb. Und nicht nur hierzulande wird gefeiert – überall auf der Welt gibt’s den Karneval: Venedig, Rio, New Orleans – jedes Land und jede Stadt pflegt dabei eigene Rituale.

Doch so verschieden die Feste auch ausfallen, sie alle gehen auf gemeinsame Wurzeln zurück. Die ersten Vorläufer finden sich im vorderasiatischen Mesopotamien. In der alten Kulturlandschaft zwischen Euphrat und Tigris fanden bereits vor etwa 5000 Jahren Feste zu Ehren der Götter und des Frühlingsbeginns statt. Dabei lösten sich die gesellschaftlichen Klassenschranken auf, wie eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend vor Christus besagt. Damit waren für einige Tage die Sklaven ihren Herren gleichgestellt.

Fasnacht machte die katholische Fastenzeit erträglicher

Im gesamten Mittelmeerraum finden sich ähnliche Bräuche, die das Erwachen der Natur nach dem Winter zelebrieren.

Mit närrisch guter Laune geht es beim gemeinsamen Fasnachtsumzug der Städte Ludwigshafen und Mannheim durch die Straßen. (Bild: LUKOM/Torsten Kleb)

Um die dunkle, kalte Jahreszeit und die damit verbundenen bösen Geister zu vertreiben, kamen bei den Germanen und Kelten erstmals schaurige Verkleidungen und Masken ins Spiel.

Im Mittelalter feierten die Menschen Narrenfeste, bei denen niedere Priester zeitweise Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit übernahmen. Dabei wurden kirchliche Rituale parodiert und Prozessionen abgehalten. Der offiziellen Kirche waren die ausschweifende Feste ein Dorn im Auge. Vor allem die Protestanten verboten die Fasnacht zeitweise ganz.

Die Katholiken hingegen sahen in den tollen Tagen eine Möglichkeit, den Menschen die anschließende Fastenzeit erträglicher zu machen. Die Gläubigen konnten dann noch einmal richtig zuschlagen und alles tun und essen, was bis Ostern verboten war. Das erklärt auch den Namen „Karneval“: Der lateinische Ausspruch „Carne vale“ bedeutet nämlich soviel wie „Fleisch, lebe wohl.“

Die elf als teuflische Zahl läutet die Fasnacht ein

Christliche Wurzeln hat auch die Zahl elf, die in der Fasnacht eine große Rolle spielt. So beginnt die fünfte Jahreszeit vielerorts am 11. 11. um 11:11 Uhr. Der Grund hierfür ist eine christliche Fastenzeit zur Vorbereitung auf Weihnachten, die im November beginnt. Zudem ist die elf nach mittelalterlicher Vorstellung eine teuflische Zahl und steht für Maßlosigkeit. Kein Wunder also, dass auch heute noch viele Menschen ab diesem Datum herzhaft über die Stränge schlagen.