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Hintergrund

Mit dem Elektroauto mobil

Julian Stöver ist von Elektroautos begeistert. (Bild ©: Alexander Grüber)

Mit dem Elektroauto mobil

TWL-Sponsoring: ein Elektroauto im Alltagstest

Die Elektromobilität soll in Ludwigshafen Fahrt aufnehmen. Deshalb installierte TWL inzwischen drei Ladestationen für Elektroautos in der Stadt. Zudem stellte der Energieversorger der Hochschule Ludwigshafen ein Elektroauto für eine Studie zur Verfügung. Julian Stöver war einer der Teilnehmer, die das Elektroauto im Alltag testeten.

 Wenn die Ampel auf grün wechselt und er vor allen anderen Autos durchstarten kann – das ist für Julian Stöver einer der Momente, die ihn an Elektroautos begeistern. „Einmal habe ich dank der katapultartigen Beschleunigung sogar einen Porsche überholt“, sagt der 27-Jährige begeistert. Dabei hat der Student seit zwei Jahren kein eigenes Auto mehr.

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Der Student Julian Stöver testete ein Elektroauto im Rahmen der Try-e-Studie der Hochschule Ludwigshafen. (Bild ©: Alexander Grüber)

Mit einem Elektroauto gefahren ist er dennoch: Im Rahmen der von TWL geförderten Try-e-Studie der Hochschule Ludwigshafen. Hochschulangehörige konnten dabei von Oktober 2015 bis Januar 2016 mehrere Tage lang ein Elektroauto im Alltag testen.

Dafür stellte TWL der Hochschule einen Nissan Leaf zur Verfügung, das weltweit meistverkaufte Elektroauto mit einer Reichweite von rund 200 Kilometern. Stöver, für den das Autofahren in der Stadt oft mit Stress verbunden war, weiß inzwischen: „Elektrisch fährt es sich leise und entspannt. Das Tolle dabei: Im Stop-and-go-Verkehr lädt der Akku beim Bremsen: Dann kann man regelrecht zusehen, wie die Reichweite des Elektroautos wächst.“

Angst vorm leeren Akku im Elektroauto

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Wer ein Elektroauto fährt, hat die Reichweitenanzeige immer im Blick. (Bild ©: Alexander Grüber)

„Stromer“ faszinieren den technikbegeisterten Studenten schon lange. Da traf es sich gut, dass die Hochschule Ludwigshafen im Wintersemester 2015/2016 Teilnehmer für ihre Try-e-Studie suchte. Stöver, der dort Logistik studiert, bewarb sich kurzentschlossen für den Feldversuch und bekam im November einen der begehrten 29 Ausleihplätze. Das Timing war perfekt: Zu dieser Zeit stand für ihn ein Umzug an. Außer für den Transport von Umzugskartons nutzte Stöver den Nissan Leaf vor allem für seine Fahrten an die Hochschule oder nach Heidelberg, wo seine Freundin wohnt. Zum Laden fuhr er meist an die Ladestation der Hochschule oder nutzte eine öffentliche Ladesäule in Heidelberg. „Es gibt zu wenige Ladesäulen, deshalb hatte ich immer ein Auge auf der Anzeige der Reichweite. Denn wenn das Auto mit leerem Akku liegen bleibt, muss es abgeschleppt werden.“

Dennoch fällt seine Bilanz insgesamt positiv aus: „Ich war überrascht, wie komfortabel sich ein Elektroauto fährt. Die Umstellung ist einfach und mit der Reichweite der Batterie kam ich im Alltag aus.“ Sollte er sich eines Tages ein eigenes Auto zulegen, würde er ein elektrisches Modell einem Benziner vorziehen, sagt er. Mit Einschränkungen allerdings: „Der Kaufpreis müsste attraktiver sein und es müsste mehr öffentliche Schnellladestationen und einen einheitlichen Ladestandard geben.“

Großes Interesse an Elektromobilität

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Julian Stöver würde sich sofort ein Elektroauto kaufen. (Bild ©: Alexander Grüber)

Diese Meinung teilen die meisten anderen Teilnehmer von Try-e. Sie stehen der Elektromobilität zum Großteil äußerst aufgeschlossen gegenüber, hat Stefan Bongard analysiert, Professor für Betriebswirtschaft und Logistik an der Hochschule Ludwigshafen und Leiter der Try-e-Studie. „89 Prozent der Teilnehmer haben ein hohes, beziehungsweise sehr hohes Interesse“, sagt er. „Im Vergleich zur positiven Einstellung ist die Bereitschaft, sich ein Elektroauto anzuschaffen, allerdings wesentlich niedriger. Aber immerhin knapp 40 Prozent gaben eine hohe oder sehr hohe Kaufbereitschaft an.“ Der Selbstversuch bremste die Kaufbereitschaft allerdings etwas aus. Nach der Studie sank diese im Durchschnitt um 12,5 Prozent.

Dass das Try-e-Projekt die Elektromobilität in der Öffentlichkeit bekannter macht, davon ist Bongard überzeugt: „Im Schnitt hatte jeder Teilnehmer 2,7 Mitfahrer und die Kommunikationsquote lag bei 6,4 Personen pro Ausleiher.“ Handlungsbedarf sieht Bongard vor allem bei den Herstellern, die Reichweiten ihrer elektrischen Modelle zu erhöhen. „Die Einstellung der Teilnehmer zur Alltagstauglichkeit wäre vermutlich positiver gewesen, wenn sie ein aktuelles Fahrzeug des Elektroautopioniers Tesla gefahren wären“, sagt er. Nach Angaben des Herstellers kommt das „Model X“ von Tesla mit einer vollen Batterie bis zu 489 Kilometer weit.

Elektroautos gratis laden an TWL-Stationen

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Zum Laden wird das E-Auto mit einem Kabel an eine Ladebuchse angeschlossen. (Bild ©: Alexander Grüber)

Dass die Akzeptanz von Elektroautos steigt, ist auch für TWL interessant. Denn der Markt birgt für den Stromversorger großes Potenzial. Nun fließen die Erkenntnisse aus dem Try-e-Projekt in die Entwicklung neuer Produkte ein, um das Geschäftsfeld Elektromobilität auszubauen. „Für Privatkunden mit einem Elektroauto sind zum Beispiel technische Leistungen rund um Wandladestationen denkbar. Ein mögliches Angebot von TWL für Geschäftskunden könnte es sein, Anlagen inklusive Strom und Wartungsservices zur Verfügung zu stellen“, sagt Daniel Röder, der für Elektromobilität zuständige Projektleiter bei TWL.

Um das Thema voranzubringen, betreibt der Energieversorger für die Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft Lukom seit September 2015 zwei Ladestationen für Elektroautos im Parkhaus Walzmühle in der Innenstadt. Sechs Elektrofahrzeuge können hier kostenlos tanken; auch das Parken ist während dieser Zeit gratis. Bei den Fahrern von Elektroautos kommt das Angebot gut an. Von September bis April wurden an den beiden Säulen insgesamt 614 Ladevorgänge getätigt. „Wir sind sehr zufrieden mit der bisherigen Auslastung der Ladesäulen“, sagt Röder.

Neue Ladesäule für Elektroautos am Ludwigsplatz

Aufgrund der Lademöglichkeit im Parkhaus Walzmühle hält die Interessengemeinschaft Electric Vehicles Rhein-Neckar (EVRN) ihre regelmäßigen Treffen meist im Café im benachbarten Gesundheitszentrum Lusanum ab. „Die Station in der Walzmühle ist eine von wenigen Ladepunkten in Ludwigshafen“, sagt Klaus Gehrlein, der EVRN als Plattform für den Informationsaustausch zum Thema Elektromobilität mitinitiierte.

Inzwischen gibt es in Ludwigshafen eine zusätzliche öffentliche Ladestation am Ludwigsplatz in der Innenstadt. Anfang Juni nahm TWL in der Parkbucht vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) eine weitere Ladesäule mit zwei Ladepunkten in Betrieb. Auch dort kostet der Strom derzeit nichts und das Parken ist für die Dauer des Ladens gebührenfrei. Julian Stöver freut das: „Je mehr Ladestationen es gibt, desto schneller werden sich Elektroautos etablieren.“

Lesen Sie weiter:

Interview mit Dr. Stephan Bongard, Leiter der Try-e-Studie

Weitere Informationen:

Interessengemeinschaft Electric Vehicles Rhein-Neckar

Try-e-Projekt der Hochschule Ludwigshafen