Kurier | Das Kundenmagazin von TWL

Hintergrund

Hinter den Kulissen im Fernheizkraftwerk

Wie Riesenschlangen ziehen sich lange Rohrleitungen durchs Heizkraftwerk.

Hinter den Kulissen im Fernheizkraftwerk

Kraftwerk von TWL sorgt für Strom und Fernwärme in Ludwigshafen

Rund um die Uhr Strom und Wärme für Ludwigshafen bereitzustellen, das ist die Aufgabe der TWL-Experten im Fernheizkraftwerk. Ein Blick hinter die Kulissen des Kraftwerks in der Industriestraße offenbart die zahlreichen Komponenten, die für die sichere Versorgung mit Energie reibungslos zusammenspielen müssen.

Das Herz des Kraftwerks ist laut und heiß. Dumpfe Schwüle und ohrenbetäubender Lärm bilden die Geräuschkulisse im Turbinensaal des Fernheizkraftwerks von TWL. Riesige Turbinen drehen sich hier rund um die Uhr. Angetrieben vom Hochdruckdampf, der bei der Abfallverbrennung im benachbarten Müllheizkraftwerk der GML entsteht, erzeugen sie mit ihren angeschlossenen Generatoren kontinuierlich Energie für Ludwigshafen. Allein die größte Turbine, die TWL 1988 installierte, hat eine Leistung von 13,8 Megawatt (MW): Sie produziert in nur einer Stunde so viel Strom, wie vier Haushalte in einem ganzen Jahr verbrauchen.

Insgesamt gibt es im Fernheizkraftwerk fünf Turbinen, die zusammen 33 MW elektrische Leistung erzeugen: vier dampfbetriebene und eine fünfte, die mit Gas läuft. „Die Gasturbine kommt bei Verbrauchsspitzen zum Einsatz, wenn der Dampf aus der Müllverbrennung für die Strom und Wärmeerzeugung nicht ausreicht“, erläutert Elektrotechniker Timo Möller, der mit 13 Kollegen des Teams „Technik Infrastruktur Großanlagen Fernheizkraftwerk“ bei TWL dafür sorgt, dass alles reibungslos läuft. Damit TWL in dem Kraftwerk auch ohne Dampf aus der Müllverbrennung Strom und Wärme erzeugen kann, werden drei eigene Kessel mit Gas und Öl befeuert.

Kraftwerk für Ludwigshafen

Seit 1967 betreibt TWL das Fernheizkraftwerk in der Industriestraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Müllheizkraftwerk. Mit dem 125 Meter hohen Kamin des Müllheizkraftwerks, den beide Großanlagen nutzen, ist das Gebäudeensemble ein Wahrzeichen Ludwigshafens, das seit gut 49 Jahren für die sichere Energieversorgung der Industriestadt steht.

„Mit unseren Anlagen im Fernheizkraftwerk können wir schnell und flexibel Energie bereitstellen und abführen.“
Timo Möller, Projektmanager im Fernheizkraftwerk

Allein 2014 erzeugte TWL hier 85.000 Megawattstunden (MWh) Strom, ausreichend für 21.000 Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden. Die darüber hinausgehende Menge Strom, die TWL an Kunden absetzt, wird zugekauft. Außer Strom produziert das Fernheizkraftwerk mit einem Teil des bei der Müllverbrennung entstehenden Hochdruckdampfes über Kraft -Wärme-Kopplung noch umweltfreundliche Fernwärme: 2014 waren es 272.000 MWh, genug für 15.000 Haushalte.

Power durch modernste Technik

Das Fernheizkraftwerk, die größte Energieerzeugungsanlage von TWL, ist ein komplexes System aus Kesseln, Turbinen, Generatoren und Schaltanlagen. Verbunden sind die Komponenten durch kilometerlange und bis zu 1,20 Meter dicke Rohrleitungen, die sich wie silberne Riesenschlangen durch das Gebäude ziehen. „Wir haben im Kraft werk sehr viele Komponenten auf engstem Raum installiert“, so Möller. „Das stellt uns bei Modernisierungs- oder Erweiterungsprojekten oft vor Herausforderungen.“ Von Anfang an investierte TWL kontinuierlich in neue Technik, um die Effizienz der Anlage zu steigern und um für neue Anforderungen im Energiemarkt gerüstet zu sein. Der Bau der Power-to-Heat-Anlage 2014 war das letzte Projekt. Mit ihr leistet TWL als einer der Pioniere in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Energiewende, in dem sie temporäre Stromüberschüsse im Netz in Wärme umwandelt.

Moderne Anlagen und technische Kompetenz sind die Stärken von TWL. „Wir können dank der Power-to-Heat-Anlage flexibel auf veränderte Bedarfe reagieren und sehr schnell zusätzliche Energie bereitstellen oder überschüssige abführen“, betont Möller. Eine wichtige Rolle im Prozess der Energieerzeugung spielt auch die interne Wasseraufbereitungsanlage. Sie entzieht dem Leitungswasser in mannshohen Filterkolonnen Salze und Kalk, da diese Substanzen die Turbinen zerstören würden. Rund 5.000 Kubikmeter Wasser zirkulieren ständig im Fernwärmesystem von TWL, das entspricht dem Fassungsvermögen von zwei olympischen Schwimmbecken. Bis zu drei Pumpen sorgen dafür, dass das auf 120 Grad Celsius erhitzte Fernheizwasser vom Kraftwerk zu den Haushalten gelangt und dort vor allem im Winter für wohlige Wärme sorgt.


Wie entsteht Energie aus Abfall? Das Video gibt Antworten.