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Clever verteilt

Die Verteilprofis: Volker Heimberger (l.) und Thorsten Henninger (r.) haben gemeinsam das neue Strombilanzkreissystem entwickelt. Dadurch wird unter anderem die Stadtkasse entlastet.

Clever verteilt

Maximale Ausbeute vom Dach: Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) auf öffentlichen Gebäuden erzeugen klimafreundliche Energie für Ludwigshafen. Ein neues System sorgt dafür, dass der grüne Strom vollständig genutzt wird – auch von Gebäuden ohne eigene Solaranlage.


In Ludwigshafen steht ein besonders umweltfreundliches Projekt kurz vor seinem Abschluss. Im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogramms Klimaschutz und Innovation des Landes Rheinland-Pfalz (KIPKI) installierte TWL in Zusammenarbeit mit dem Bau und Umweltdezernat der Stadtverwaltung Ludwigshafenleistungsfähige PV-Anlagen auf den Dächern von Schulen, Sporthallen und Kindertagesstätten. Wenn die Fördergelder Mitte des Jahres aufgebraucht sein werden, erzeugen 21 Anlagen auf mehr als 3.000 Quadratmetern Fläche klimafreundlichen Sonnenstrom. Doch damit nicht genug: Ein neu entwickeltes Energiemanagementsystem stellt sicher, dass der erzeugte Strom vollständig genutzt wird.

INTELLIGENTE STROMVERTEILUNG
Das System sorgt dafür, dass überschüssiger Strom, den die Gebäude mit Solaranlagen nicht selbst verbrauchen, anderen öffentlichen Gebäuden zugutekommt, die keine eigene PV-Anlage besitzen. Möglich macht das eine speziell entwickelte Software zur Stromkreisbilanzierung, die TWL gemeinsam mit einem Ingenieurbüro konzipiert hat. Dieter Feid, kaufmännischer Vorstand von TWL, erklärt: „Der überschüssige Strom der einzelnen Anlagen wird als virtuelles Kraftwerk durch das Energiemanagementsystem zusammengefasst und zeitgleich mit dem Verbrauch von weiteren städtischen Liegenschaften ohne Solaranlage bilanziell verrechnet – praktisch eine erweiterte Eigenstromnutzung. Dadurch können auch Gebäude der Stadt, bei denen die Installation von PV-Anlagen nicht möglich oder sinnvoll ist, langfristig von klimafreundlichem Strom profitieren.“


SO FUNKTIONIERT DAS BILANZKREISSYSTEM


Das neue Bilanzkreissystem sorgt dafür, dass überschüssiger Strom von städtischen Gebäuden mit PV-Anlagen an Gebäude ohne eigene Anlage fließt.


PRÄZISE MESSUNG IN ECHTZEIT
Das System arbeitet mit höchster Präzision: Alle 15 Minuten werden die Stromerzeugungs- und Verbrauchsmengen gemessen und kontinuierlich an die Software übertragen. So wird zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass genau so viel Strom erzeugt wie verbraucht wird. Das Ergebnis: eine hundertprozentige Eigennutzung des Solarstroms und deutliche Einsparungen bei den Stromkosten für die Stadt.

TWL hat das intelligente System entwickelt und kümmert sich um die Planung, die Installation sowie die Wartung der Anlagen samt Batteriespeicher. Die Abrechnung läuft ebenfalls über den Energieversorger – transparent und nachvollziehbar. Ein Monitoringsystem ermöglicht den Mitarbeitern der Stadt und TWL jederzeit den Überblick über die Energieflüsse.

Die Zahlen sprechen für sich: Die PV-Anlagen erzeugen jährlich rund 680 Megawattstunden Strom. Davon nutzen die Gebäude mit PV-Anlagen etwa 360 Megawattstunden selbst, die restlichen 320 Megawattstunden fließen an Gebäude ohne eigene Solaranlage. Durch diese intelligente Verteilung lassen sich bis zu 350 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

ERFOLGSMODELL MIT ZUKUNFT
Alexander Thewalt, Bau- und Umweltdezernent der Stadt Ludwigshafen, betont: „Die Nutzung von Solarstrom ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dank der Finanzierung vonseiten des Landes und der sehr guten Zusammenarbeit aller Beteiligten wird das KIPKI-Projekt bald erfolgreich abgeschlossen sein. Das versetzt uns in die Lage, über unsere Liegenschaften eine Menge klimaschädliches CO₂ einzusparen und gleichzeitig durch das Bilanzierungssystem den Strom vollständig zu nutzen, um unsere laufenden Kosten zu senken.“ Das Strombilanzkreismodell kann auch für weitere Kunden aufgebaut werden, erste Anfragen liegen bereits vor.