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Astrofans jagen zur Wintersonnenwende den Weihnachtskometen

Die Nächte rund um die Wintersonnenwende sind ideal für die Astrofotografie. Sie ermöglichen lange Belichtungszeiten. Für die Aufnahme des Sichelnebels im Sternbild Schwan waren 15 Stunden erforderlich. (Bild: Michael Quartz)

Astrofans jagen zur Wintersonnenwende den Weihnachtskometen

In der längsten Nacht des Jahres ist 46P/Wirtanen mit bloßem Auge zu sehen

Zur diesjährigen Wintersonnenwende steht der Komet 46P/Wirtanen hoch am Himmel. Der Schweifstern gilt als der Weihnachtskomet 2018, weil er im Dezember sogar mit bloßem Auge zu sehen ist. Die Mitglieder der Astronomischen Vereinigung Vorderpfalz in Ludwigshafen haben daher ihre Teleskope auf den Himmelskörper ausgerichtet. Bei klarem Wetter gehen sie in der Haardt auf Kometenjagd – Interessenten sind willkommen.

In der Sternwarte von Michael Quartz in Edigheim entstand die Aufnahme des Elefantenrüsselnebels IC1396 im Sternbild Kepheus. (Bild: Michael Quartz)

Der Ludwigshafener Hobbyastronom Michael Quartz freut sich in diesem Jahr ganz besonders auf die Wintersonnenwende. Schließlich bietet der 21. Dezember so viele dunkle Stunden wie nie in diesem Jahr, um eine astronomische Attraktion zu beobachten: der Komet 46P/Wirtanen im Anflug auf die Sonne. Etwa alle fünf Jahre taucht der Klumpen aus Eis, Gas und Staub vom Rand des Sonnensystems am Firmament auf. Damit gehört er zu den Kometen, die unsere Sonne vergleichsweise häufig umkreisen.

In diesem Jahr leuchtet er auf seiner Bahn allerdings ganz besonders hell. Daher wird es schon vor der Wintersonnenwende spannend am Nachthimmel. Im Dezember zieht 46P/Wirtanen durch die Wintersternbilder Stier und Fuhrmann auf den großen Wagen zu. Etwa ab dem 10. Dezember ist der Weihnachtskomet nachts von Mitteleuropa aus mit bloßem Auge zu sehen. Wenn 46P/Wirtanen am 13. Dezember seinen sonnennächsten Punkt, das Perihel, erreicht, kommt er auch der Erde ganz nah. Dann rauscht er mit einer Entfernung von rund 11,6 Millionen Kilometern an uns vorbei.

Wintersonnenwende begeistert Astrofotografen

Für Michael Quartz, Gründer und Vorstand der Astronomischen Vereinigung Vorderpfalz (AVVP), bietet die Wintersonnenwende beste Voraussetzungen zur Sternenbeobachtung. Ab Sonnenuntergang um 16:28 Uhr haben er und seine Mitstreiter dann nämlich fast 17 Stunden Zeit dafür. „Wintersonnenwende und Weihnachtskomet – das ist eine tolle Kombination“, sagt Michael Quartz.

Seit seiner Kindheit interessiert sich der 47-Jährige für die Astronomie. Inzwischen hat der begeisterte Astrofotograf zuhause in Ludwigshafen-Edigheim eine private Sternwarte eingerichtet. Gerade lange Nächte sind für ihn ideal, um Planeten, Sterne, Nebel und andere Himmelskörper zu fotografieren. „Dabei sind Belichtungszeiten von mehr als zehn Stunden keine Seltenheit“, sagt er. Rund um die Wintersonnenwende hat Michael Quartz sein Teleskop daher auf den Kometen 46P/Wirtanen ausgerichtet.

Zur Wintersonnenwende in die Tiefen der Milchstraße blicken

Auch seine Mitstreiter vom AVVP elektrisiert die Wiederkehr des Weihnachtskometen zur Wintersonnenwende. Die Mitglieder des 2017 gegründeten Vereins sind fasziniert vom Weltall. Sie treffen sich regelmäßig zum Austausch beim DJK Ludwigshafen-Oppau. Das Gelände des Sportvereins bietet ihnen außerdem die Möglichkeit, den Himmel zu beobachten.

Der favorisierte Beobachtungspunkt des Vereins in der Region liegt allerdings am Modellflugplatz auf dem Grünstadter Berg in Neuleiningen. Dort, etwa 30 Kilometer von Ludwigshafen entfernt und 200 Meter höher gelegen, haben die Hobbyastronomen beste Rundumsicht und einen besonders dunklen Himmel. Ideale Voraussetzungen also, um mehrmals im Monat den Blick in die Tiefen der Milchstraße zu genießen. „In der Stadt gibt es zu viel Licht, sodass nur wenig zu sehen ist“, sagt Michael Quartz.

Hoffen auf gutes Wetter für die Himmelsschau

Auch rund um die Wintersonnenwende werden die Astrofans die langen Winternächte für ausgiebige Himmelsschauen nutzen. Teures Equipment ist dafür nicht unbedingt erforderlich. Schon mit einem einfachen Feldstecher lassen sich interessante Himmelskörper entdecken – ein wolkenloser Himmel natürlich immer vorausgesetzt. „Wir sind bei unseren Aktivitäten sehr wettergebunden“, betont Michael Quartz.

Daher planen die Vereinsmitglieder ihre Beobachtungen meist recht kurzfristig etwa drei bis vier Tage im Voraus. Interessenten sind dabei herzlich willkommen. Die Beobachtungstermine und andere Veranstaltungen gibt der Verein auf seiner Website und auf Facebook bekannt.